Seitenbereiche:
  • zum Inhalt [Alt+0]
  • zum Hauptmenü [Alt+1]
  • Home
  • Ausgabe 3/2025
  • Ausgabe 2/2025
  • Ausgabe 1/2025
  • Team
  • Kontakt
  • Kontrastfarben
Sprachenmenü:
  • cz-sk
  • hu

Das Bild zeigt das Logo der Zeitschrift Misericordia.
Hauptmenü:
  • Home
  • Ausgabe 3/2025
  • Ausgabe 2/2025
  • Ausgabe 1/2025
  • Team
  • Kontakt

Sprachenmenü:
  • cz-sk
  • hu

  • Kontrastfarben
Inhalt:

Menschen, die für mich Vorbild sind

 

Dr. Markus Stumpf, Leitender Unfallchirurg im Krankenhaus München, operiert seit 2017 pro bono zwei Wochen im Jahr Knochenbrüche im Krankenhaus St. John of God in Sierra Leone.

 

MÜNCHEN, BAYERN I MABESSENEH-LUNSAR, SIErrA LEONE · AUTOR DR. MARKUS STUMPF

1. Dezember 2025

Dr. Markus Stumpf (im Vorder­grund) und sein OP-Team operieren einen Oberschenkel­halsbruch.

Dr. Markus Stumpf (im Vordergrund) und sein OP-Team operieren einen Oberschenkelhalsbruch.

Samstagmorgen, halb sechs. Nieselregen und Nebel, typisches Novemberwetter in München. Das Gepäck ist schon seit einigen Tagen gepackt. In der Outdoor-Tasche Wäsche für 14 Tage, zwei Shorts, ein paar T-Shirts, Sandalen. Wärmere Sachen brauche ich nicht. Im Koffer Verbandsmaterial, OP-Hauben, OP-Handschuhe, Platten und Schrauben, Nahtmaterial. Nicht mehr als 20 Kilogramm. Meine Familie bringt mich zum Flughafen, das hat Tradition, seit ich 2017 das erste Mal mit Orthopedics for the Developing World (ODW) nach Sierra Leone geflogen bin; 2025 wird es das siebte Mal sein.

 

ODW ist ein gemeinnütziger Verein aus Ebersberg, ein Ort südöstlich von München, der seit über 20 Jahren unfallchirurgisch-orthopädische Operationen in Sierra Leone durchführt, finanziert auf Spendenbasis. Viele der acht bis zwölf freiwilligen Helfer:innen kommen für ihre Flüge selbst auf und legen die Einsätze in ihren Urlaub. Um 8.30 Uhr geht’s los, zuerst nach Brüssel, von dort nach Freetown. Wenn wir ankommen, wird es stockdunkel sein. Sierra Leone liegt nahe am Äquator, deshalb ist der Sonnenuntergang schnell und pünktlich um 18 Uhr.

Keine unfallchirurgische Versorgung

Am Flughafen werden wir von zwei Mitarbeitern des St. John of God Hospital Mabesseneh-Lunsar in Empfang genommen. Wir zwängen uns in einen Kleinbus, das Gepäck wird auf einen Pick-up verladen. Nach zwei Stunden kommen wir am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder an. Die einfachen Zimmer werden bezogen, die Ordensbrüder empfangen uns freundlich. Am Sonntag erster Stationsrundgang: Gibt’s schon etwas zu tun? Können wir schon Operationen für Montag planen? Auf der Station liegt ein junger Mann mit einem Oberschenkelbruch nach einem Verkehrsunfall am Vortag. Glück im Unglück, tags darauf wird er operiert. In Sierra Leone gibt es keine unfallchirurgische Versorgung. Deshalb heilen Knochenbrüche oft gar nicht oder nur mit Fehlstellungen.

 

Anschließend besuchen wir den Sonntagsgottesdienst der Gemeinde. Die Kirche ist voll, 500 Menschen; ungewohnte zweieinhalb Stunden lang mit den für unsere Ohren untypischen fröhlichen afrikanischen Gesängen. Auch hier werden wir freundlich begrüßt. Seit 20 Jahren weiß man, dass im November sowie im Februar/März medizinische Teams aus Deutschland kommen. Ein freundliches Opodo, das heißt Weißer, schallt uns auf den Straßen von den Kindern entgegen.

Inter­disziplinäre Visite mit Dr. Samuel.

Interdisziplinäre Visite mit Dr. Samuel (l.)

Dr. Markus Stumpf bei den OP-Vorbereitungen mit Dr. Mohamed.

Dr. Markus Stumpf (im grünen Kasack) bei den OP-Vorbereitungen mit Dr. Mohamed (2. v. r.)

Strom fließt erst ab 9 Uhr

Am Montag fängt die Arbeit an. Das Outpatient Department (OPD), so heißt hier die Sprechstunde, ist bereits um 8 Uhr voll, obwohl wir erst um 9 Uhr starten. Vorher gibt es keine Elektrizität. Deshalb können wir auch erst ab 10 Uhr operieren. Seit Kurzem gibt es eine Photovoltaikanlage, hoffentlich wird die Stromversorgung damit stabiler. Im Operationssaal hat Kizito, der einheimische Anästhesiepfleger, gemeinsam mit unserer Narkoseärztin die Spinalanästhesie begonnen. Dann können wir operieren. Uns hilft Samuel, ein einheimischer Arzt, der Unfallchirurg werden möchte und dessen Ausbildung von ODW finanziell unterstützt wird. Am Instrumententisch steht Alpha, der einheimische OP-Pfleger. Bereits nach fünf Minuten erinnert er sich wieder daran, wie ich die Instrumente angereicht haben möchte. Nach zwei Stunden sind wir fertig, das Bein ist gerichtet.

 

In der Zwischenzeit wurde im OPD bereits die Hälfte des OP-Plans der gesamten Woche gefüllt, überwiegend nicht verheilte Oberschenkelbrüche, aber auch ein zwei Jahre alter Oberarmbruch. Genug zu tun für die kommenden beiden Wochen. In den nächsten Tagen werden alle OP-Termine vergeben sein. Nach dem Abendessen, wenn es schon wieder dunkel ist, werden wir nach unseren operierten Patienten sehen. Sind die Verbände trocken? Wurden auch ausreichend Schmerzmittel gegeben?

 

Wenn wir wieder nach Hause fliegen, sind wir um viele Erfahrungen und Eindrücke reicher. Wir haben Menschen kennengelernt, die trotz ihrer Armut Freude und Lebensmut ausstrahlen. Menschen, die, obwohl der Bürgerkrieg in ihrem Land kaum mehr als 20 Jahre vergangen ist, ohne Hass miteinander leben können. Menschen, die uns freundlich aufnehmen und dankbar für die Hilfe sind. Menschen, die für mich Vorbild sind. Wie Kizito, der seit der Ebola-Epidemie in den 2010er-Jahren die Kinder seiner verstorbenen Geschwister und dann noch Waisen aus der Stadt aufgenommen hat und dessen Familie dadurch auf über 30 angewachsen ist. Und der sich um jedes Kind wie um sein eigenes kümmert und trotzdem immer zuversichtlich ist. – Ich habe während meiner Einsätze viele Freunde in Lunsar gefunden. 

Sierra LeoneSierra Leone liegt im Westen Afrikas und zählt rund 8,6 Millionen Einwohner:innen, von  denen etwa ein Drittel in extremer Armut lebt. Bis 2002 litt das Land unter einem anhaltenden Bürgerkrieg, und 2014 wurde es unvorbereitet von der Ebola-Epidemie getroffen. Die Hauptstadt Freetown galt als Epizentrum. Auch Ordensangehörige wurden Opfer der Infektionskrankheit. Die Barmherzigen Brüder engagieren sich in Sierra Leone mit drei  Einrichtungen – ein Krankenhaus, ein Gesundheitszentrum und eine Pflegeschule –, in denen sie sich um die Bedürfnisse der Bevölkerung kümmern.

Einblicke in die Arbeit im Krankenhaus in Lunsar


nach oben springen
Footermenü:
  • Home
  • Ausgabe 3/2025
  • Ausgabe 2/2025
  • Ausgabe 1/2025
  • Team
  • Kontakt

Cookie-Einstellungen
nach oben springen