Frater Rudolf Knopp, Provinzial
Frater Rudolf Knopp, Provinzial
22. Juni 2026
Frater Rudolf Knopp, Provinzial
Was ärgert uns mehr als der Umstand, dass unsere Pläne durchkreuzt werden? Dabei ist es meist sogar unerheblich, wer sie durchkreuzt. Und der Leidensdruck erhöht sich, wenn es um Urlaubspläne geht. Durch die Krisen und Kriege der letzten Jahre, ohne diese im Einzelnen aufzuzählen, wurden und werden unsere Pläne kräftig durchkreuzt. Erstmals in jüngerer Geschichte waren und sind wir selbst und direkt von den Auswirkungen von Krisen und Kriegsgeschehen betroffen: steigende Inflation, hohe Spritpreise und zuletzt die drohende Verknappung von Kerosin.
Zu Beginn der Ferienzeit stehen viele vor der Frage: Wie gestalten wir unseren Urlaub in diesem Jahr? Einige Reiseziele sind nicht mehr buchbar, weil es Reisewarnungen gibt; andere Reiseziele scheitern an gesperrten Flugrouten. Hinzu kommen gestiegene Ticketpreise. Selbst wer mit dem Auto unterwegs sein wird, überlegt sich, wie weit fahre ich bei diesen Spritpreisen? Wir könnten uns natürlich in einem großen Bedauern angesichts der aktuellen Lage verlieren, in der Verzweiflung baden und uns weitere Horrorszenarien für die Zukunft ausmalen. Damit ist aber niemandem gedient und geholfen. An unserer Situation hat sich dann weder etwas geändert noch verbessert. Nur unsere Laune ist noch schlechter geworden.
Das einzige Mittel, das in Bezug auf Urlaub und Ferien hilft, ist, dass wir uns die Frage nach Alternativen stellen, ja, dass wir uns der Frage nach Sinngebung in der Krise stellen: Was schenkt mir echte Erholung? Was könnten Alternativen zu Pauschalreisen sein? Kann ich vielleicht auch Neues wagen?
Krise kann auch helfen, sich vom Sozialdruck zu befreien, wie Urlaub sein muss. Gönnen wir uns Individualismus! Was kenne ich alles nicht im näheren Umfeld? Kann ich neue Freizeitaktivitäten entdecken? Wie uns schon Corona gezeigt hat, können Zeiten der Krise auch zur Entdeckung neuer Hobbys führen. So erzählte mir vor Kurzem ein Mitarbeiter, dass er in Corona-Zeiten mit dem Bierbrauen angefangen hat. Eigenes Bier zum nächsten Grillabend?
Wir sollten uns also einmal hinsetzen, innehalten und überlegen, was uns in dieser Situation mit ihren konkreten Möglichkeiten an neuen und interessanten Aktivitäten offensteht. Bei dieser Suchaktion wünsche ich Ihnen alles Gute und viel Kreativität. Möge es eine lustige, entspannte und erholsame Zeit werden.
Ihr Frater Rudolf Knopp