Christoph Strasser
Extrem-Radsportler, der
Geschichte geschrieben hat.
Christoph Strasser
Extrem-Radsportler, der
Geschichte geschrieben hat.
22. Juni 2026
Der innere Schweinehund ist für mich kein Gegner. Er ist mein Freund. Ich bekämpfe ihn nicht, sondern sehe ihn als Orientierung. Oft ist es nicht Faulheit, sondern die Summe aus Stress, privaten Themen, Terminen und organisatorischen Herausforderungen.
In solchen Momenten stelle ich mit meinem Coach, wenn möglich, das Training um oder nehme mir einen Ruhetag. Denn wenn ich diese mentalen und körperlichen Bedürfnisse ignoriere, riskiere ich ein Burn-out. Anders ist es im Wettkampf: Dort muss ich schlechte Phasen durchhalten. Ich weiß aber auch: Nach jeder schlechten Phase kommt wieder eine gute.
In schweren Momenten mache ich mir klar, wie viel Training ich in dieses Ziel investiert habe und welchen Stellenwert es für mich hat. Ich stelle mir nicht die Frage: „Warum mache ich diesen Schwachsinn?“, sondern: „Welche positiven Auswirkungen hat es in Zukunft, wenn ich jetzt durchhalte?“ Auch das Aufteilen in kleine Zwischenziele macht es viel einfacher. Wenn ich mit Schmerzen und steifen Knien an ein Ziel denke, das noch 3.000 Kilometer entfernt ist, frustriert mich das. Wenn ich aber nur bis zum nächsten Checkpoint denke, dann wird es machbar.
Diese Haltung hilft nicht nur Sportlern. Das sehe ich beim Race Across America: Ich habe elf Betreuer, die sich um alles kümmern. Da zählt jede Minute, und alle müssen einander blind vertrauen. Und mit jedem Jahr wächst die Erfahrung im Team. Mir ist deswegen wichtig, dass die Leute motiviert bleiben, Freude daran haben und so wieder dabei sein wollen. Unternehmen geht es gleich: Wenn die Stimmung nicht gut ist, verliert man wichtige Menschen, Erfahrung und eingespielte Abläufe.
Langfristige Motivation entsteht für mich nicht aus Geld oder Anerkennung, sondern aus Freude, Begeisterung und dem Wissen, dass für mich alles einen tieferen Sinn hat. Trotzdem erlebt jeder Mensch Rückschläge. Ich frage mich dann ehrlich, ob ich das alles wirklich noch will oder ob es Zeit ist, etwas Neues anzupacken. Manchmal ist es nicht die beste Sache, um jeden Preis weiterzumachen. Wenn ich mir aber sicher bin, dass ich hier richtig bin, dann ist Geduld eine gute Eigenschaft.
Denn manchmal brauche ich mehrere Anläufe, um ein Ziel zu erreichen. Die Angst, mich dabei zu blamieren, habe ich schon lange abgelegt. Denn das blockiert wirklich: Die Furcht, etwas nicht zu schaffen, ist viel schlimmer als etwas tatsächlich nicht zu schaffen. Und jetzt kommt das Schönste daran: Sobald man lockerer ist, schafft man auch mehr.
Für alle, die selbst mit innerem Widerstand kämpfen, helfen zwei Fragen: Gibt es Faktoren, die ich selbst ändern kann? Dann versuche ich dort anzusetzen. Gibt es Faktoren, die ich nicht beeinflussen kann? Dann akzeptiere ich sie, ohne mich darüber zu ärgern und dadurch Energie zu verschwenden.