Ein Traum für alle Fußballfans: Roland Schmidt (li.) feiert den Champions-League-Sieg mit Leon Goretzka!
Ein Traum für alle Fußballfans: Roland Schmidt (li.) feiert den Champions-League-Sieg mit Leon Goretzka!
23. Juni 2026
Roland Schmidt, Chefarzt Innere Medizin II, Kardiologie, Pneumologie, Notfallzentrum im Krankenhaus Barmherzige Brüder München, über seine Aufgabe und Erlebnisse als Mannschaftsarzt beim FC Bayern München
Herr Professor Schmidt, wie kam es dazu, dass Sie Mannschaftsarzt beim FC Bayern wurden?
Bevor ich für die Barmherzigen Brüdern tätig wurde, arbeitete ich als Oberarzt im Deutschen Herzzentrum, auch als Ansprechpartner für die Leistungssportler des Olympiastützpunktes München. Das hatte sich in Sportlerkreisen herumgesprochen. Der FC Bayern wollte im Sommer 2012, nach dem verlorenen Champions League Finale in München, die medizinische Abteilung der Mannschaft ausbauen. Ich hatte damals bereits Jupp Heynckes betreut, den damaligen Trainer des FC Bayern, und dabei auch Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge kennengelernt. Als mich beide dann baten, die internistische Verantwortung für die Profis zu übernehmen, habe ich zugesagt. Ein Angebot des FC Bayern kann man nicht ablehnen.
Wie muss man sich diese Fußballstars als Patienten vorstellen?
Ich habe von Anfang an eine große Offenheit erfahren von den Spielern, aber auch den Trainern und meinen Kolleginnen und Kollegen im Staff, also in dem Kernteam um die Mannschaft herum. Ganz sicher hatte ich großen Respekt vor den Leistungen, der Belastbarkeit, der Kreativität und Widerstandsfähigkeit der Spieler, und das ist so geblieben. Im Arzt-Patienten-Verhältnis ist der Respekt nicht anders als bei jedem anderen Patienten.
Als Kardiologe und Notfallmediziner kennen Sie es, unter Zeitdruck zu arbeiten und schnelle Entscheidungen treffen zu müssen. Kam Ihnen das entgegen?
Auf jeden Fall. Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich unmittelbar entscheiden muss, ob ein Spieler weiterspielen kann oder nicht und das mit den Trainern abstimme. Darüber hinaus gibt es Erkrankungen, die man als Internist und Kardiologe sofort erkennen sollte, speziell, wenn es zum Beispiel um eine Herzmuskelentzündung geht, die schwerwiegende Konsequenzen für den Spieler hätte. Deswegen machen wir auch sehr viel Diagnostik, die hier im Haus der Barmherzigen Brüder durchgeführt wird. Für mich und meine Orthopäden-Kollegen Professor Dr. Peter Ueblacker und Dr. Jochen Hahne ist besonders wichtig, dass wir als Ärzte das Vertrauen genießen. Das ist die Basis.
Wie klar oder vielleicht auch streng können Sie medizinisch handeln?
Das hängt vom Befund ab. Aber wenn aus meiner Sicht etwas Schwerwiegendes vorliegt, lasse ich mich auf keine Diskussion ein. Bisher hat noch kein Trainer oder Spieler eine Entscheidung in Frage gestellt. Ich denke, alle wissen, dass wir in jedem Augenblick zuerst an die Gesundheit des Spielers denken. Das ist auch die Grundlage für eine möglichst lange Profikarriere.
Erinnern Sie sich an ein besonderes Erlebnis mit dem FC Bayern?
Es gab einige, und dafür bin ich dem FC Bayern dankbar. Besonders eingeprägt hat sich der Champions League-Sieg 2013 über Borussia Dortmund in London. Die Fahrt zum Mitternachtsbankett, wie wir da im Bus gefeiert haben, das war sehr intensiv, ich werde es nie vergessen.
Gibt es Spieler, mit denen Sie sich über die Zeit angefreundet haben?
Mit Manuel Neuer arbeite ich am längsten zusammen, als Arzt habe ich mich immer bemüht, für alle gleichermaßen da zu sein. Es gibt dabei Spieler, mit denen man sich mehr austauscht, andere haben ein zurückhaltendes Wesen. Für viele Spieler bin ich praktisch der Hausarzt, auch nach ihrer Karriere, ein Vertrauen, das mich freut und motiviert. Und sie schicken oft auch ihre Familienangehörigen.
Was machen Sie, wenn Sie nicht im Stadion oder im Krankenhaus sind?
Das, was an Zeit bleibt, verbringe ich weitgehend mit der Familie. Ich bin gerne in den Bergen unterwegs, Mountainbike und Bergwandern sind Leidenschaften, und winters Skifahren.
Spielen Sie selbst Fußball?
Ich spielte sehr gerne, auf Amateurniveau. Leider ist mir bei einem Spiel mit meinen Söhnen die Kniescheibe rausgesprungen und das Innenband gerissen. Seither geht’s leider nicht mehr so.
Haben Sie denn auch einmal mit Spielern des FC Bayern gekickt?
Manchmal auch mit Spielern, vor allem in jedem Trainingslager mit meinen Kollegen aus dem Staff. Und ich sage Ihnen: Geschenkt wurde einem da nichts.