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Gesundheit für Patient:innen, aber auch Mitarbeitende

 

Wer Menschen pflegt, begleitet, tröstet und versorgt, gibt im Alltag oft mehr Kraft, als von außen sichtbar ist. Umso wichtiger ist, dass auch die Gesundheit der Mitarbeitenden selbst im Blick bleibt. Genau daran knüpft die Gesundheitsförderung der Barmherzigen Brüder an.

 

Autor: Simon Doering

22. Juni 2026

Das Bild zeigt einen Barfußweg in München.

Der Barfußgang zwischen ZEP-Gebäude und  Krankenhaus in München haut Sie sprichwörtlich  aus den Socken!

Wenn in den Einrichtungen der Barmherzigen Brüder der Tag beginnt, läuft die Arbeit oft längst. In Wohnbereichen werden Menschen gewaschen und angekleidet, in Hospizen Zimmer vorbereitet, in Pflegeeinrichtungen Medikamente verteilt, in Krankenhäusern Dienste übergeben, in Küchen Frühstück ausgegeben, in Werkstätten und Tagesstrukturen die ersten Abläufe organisiert. Die Orte unterscheiden sich, die Aufgaben auch. Gemeinsam ist ihnen, dass sie auf Mitarbeitende angewiesen sind, die körperlich präsent, konzentriert und belastbar bleiben müssen. Nicht nur für ein paar Stunden, sondern im Schichtbetrieb, Tag für Tag. In einer solchen Branche ist Mitarbeitergesundheit keine Nebensache. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass Versorgung, Pflege und Begleitung überhaupt verlässlich funktionieren.

 

Das zeigt sich nicht nur im Arbeitsalltag, sondern auch in den Zahlen. Die Weltgesundheitsorganisation verweist darauf, dass Gesundheitsinitiativen am Arbeitsplatz krankheitsbedingte Fehlzeiten um 27 Prozent und Gesundheitskosten von Unternehmen um 26 Prozent senken können. Das österreichische Netzwerk Betriebliche Gesundheitsförderung nennt Studien, nach denen jeder investierte Euro im Schnitt etwa dreifach zurückkommen kann. Genannt werden dort ein Return on Investment von 1 : 3,27 bei medizinischen Kosten und 1 : 2,73 bei krankheitsbedingten Fehlzeiten. Auch für Deutschland fällt die Bilanz ähnlich aus. Die Initiative Gesundheit und Arbeit kommt in einer Übersicht auf einen durchschnittlichen Return on Investment von 2,7. 

Das Bild zeigt Logo der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Die Weltgesundheitsorganisation verweist darauf, dass Gesundheitsinitiativen am Arbeitsplatz krankheitsbedingte Fehlzeiten um 27 Prozent und Gesundheitskosten von Unternehmen um 26 Prozent senken können.

Gesundheit lohnt sich für alle Beteiligten

Wie groß die Folgekosten ausfallen können, zeigen die gesamtwirtschaftlichen Daten aus Deutschland. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin führten Arbeitsunfähigkeiten im Jahr 2024 zu 881,5 Millionen Ausfalltagen. Der Produktionsausfall wird auf 134 Milliarden Euro geschätzt, der Ausfall an Bruttowertschöpfung auf 239 Milliarden Euro. Solche Zahlen lassen sich nicht eins zu eins auf einzelne Einrichtungen übertragen. Sie verdeutlichen aber, dass Überlastung, Krankenstände und Fluktuation nicht nur personelle, sondern auch wirtschaftliche Folgen haben. Gesundheitsförderung ist damit nicht allein eine soziale oder moralische Frage, sondern auch eine betriebliche. Oder schärfer gesagt: Es kann ziemlich teuer werden, Gesundheit erst dann ernst zu nehmen, wenn Ausfälle, Überlastung und Fluktuation längst da sind.

 

Vor diesem Hintergrund setzen die Barmherzigen Brüder in der Ordensprovinz Europa Mitte seit Jahren auf betriebliche Gesundheitsförderung. Dahinter steht kein Schlagwort, sondern ein Bündel konkreter Maßnahmen: Bewegungsangebote, Prävention, psychologische Begleitung, familienfreundlichere Strukturen, Mobilitätsmodelle oder Rückzugsmöglichkeiten im Arbeitsalltag. Je nach Einrichtung sieht das unterschiedlich aus. Ein Krankenhaus stellt andere Anforderungen als ein Hospiz, eine Pflegeeinrichtung oder die Behindertenhilfe. Die Grundfrage bleibt jedoch dieselbe: Wie lassen sich Mitarbeitende in Berufen entlasten, die dauerhaft fordern?

Die Aktionswoche zur Fußgesundheit im April im Krankenhaus Barmherzige Brüder München hat positive (Fuß-)Spuren hinterlassen.

Die Aktionswoche zur Fußgesundheit im April im Krankenhaus Barmherzige Brüder München hat positive (Fuß-)Spuren hinterlassen.

Bodyfit Summer Edition im Wiener Augarten

Lust auf Zumba oder eher auf  einen Marathon?

Wie verschieden die Antworten darauf ausfallen, zeigt der Blick auf einzelne Standorte. Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien läuft unter dem Namen „BBVital“ ein Programm mit On-Chair-Massagen, Yoga, Zumba, Kletterkursen und Kochworkshops. In Graz können Mitarbeitende unter anderem ein Jobrad beantragen, auch wenn sie bereits ein Jobticket nutzen. Die Idee dahinter ist schlicht: Bewegung soll nicht erst in der Freizeit beginnen, sondern schon auf dem Weg zur Arbeit eine Rolle spielen. In Eisenstadt gehört die Unterstützung durch eine Arbeitspsychologin zum Angebot. Damit rückt neben der körperlichen auch die psychische Belastung in den Blick, die in Gesundheits- und Sozialeinrichtungen zum Alltag gehört.

 

In Regensburg wird Gesundheitsförderung auch über gemeinsame Aktivitäten sichtbar, etwa durch die Teilnahme an Laufveranstaltungen wie dem Landkreislauf oder an Firmenläufen sowie durch Ernährungstage. In der Behindertenhilfe Niederbayern reichen die Angebote von Vorträgen wie „Happiness Hacks“ bis zu einer Schläfrigkeitsanalyse. Schon diese Beispiele zeigen, wie weit der Begriff inzwischen gefasst wird. Es geht nicht nur um Sport und Ernährung, sondern auch um Schlaf, Resilienz und mentale Stabilität.

 

Die genannten Beispiele geben nur einen Ausschnitt dessen wieder, was in den Einrichtungen der Provinz angeboten wird. Das Spektrum reicht von Ernährungsberatung, psychologischer Unterstützung und Supervision über Seminare zur Stress- und Burn-out-Prävention, Resilienztrainings und Rücken-fit-Kurse bis hin zu Zuschüssen für Fitness- und Sportangebote, Radgruppen, Ruderkursen, Bluttests sowie Grün- und Rückzugsräumen.

 

Sorge um den Menschen – Mitarbeitende inklusive

Für die Barmherzigen Brüder geht es dabei nicht nur um Organisation, Effizienz und geringere Ausfälle. Ihre Einrichtungen stehen in einer Tradition, die auf Johannes von Gott zurückgeht und die Sorge um den Menschen ins Zentrum stellt. Im Alltag eines Krankenhauses, einer Pflegeeinrichtung, eines Hospizes oder der Behindertenhilfe richtet sich dieser Anspruch nicht nur auf Patientinnen, Patienten, Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch auf die eigenen Mitarbeitenden.

Beim Kraft- und Koordinationstraining in Wien wird nicht nur der Körper gestählt, sondern auch die Stimmung gehoben!

Beim Kraft- und Koordinationstraining in Wien wird nicht nur der Körper gestählt, sondern auch die Stimmung gehoben!

Exotisch oder essenziell?

Wie Spiritual Care bei Menschen in Gesundheits- und Sozialberufen Selbstwirksamkeit und Care-Kompetenz stärkt 

 

Viele Menschen sind beruflich Leid und damit auch der Gefahr ausgesetzt, dass sich dieses auf sie überträgt. Leid aushalten zu können, erklärt Prof. Dr. Traugott Roser, der zu den bekanntesten Spiritual-Care-Wissenschaftlern zählt, ist auch eine Frage der Schulung. Mitaushalten, Beistand, Wissen, unterscheiden können und Supervision unterstützt Beteiligte im beruflichen Alltag. Dies ist von existenzieller Bedeutung, denn: „Wir haben keine Jobs, wir haben eine Berufung.“

 

Ausgehend von der Hospizarbeit ist es zu einem Paradigmenwechsel im Gesundheitswesen und zu einer stärkeren Hinwendung zu Patient:innen und Angehörigen gekommen. Bedeutsamer Ansatz: Es gibt Leben und Lebensqualität auch dann, wenn die Dauer begrenzt, die Situation beeinträchtigt ist. Menschen werden durch Spiritual Care in ihren Bedürfnissen gesehen; Ressourcen werden gestärkt, Ängste reduziert und Trost vermittelt. In gleichem Maße reduziert Bildung rund um Spiritual Care die Stressbelastung der Mitarbeitenden. 

 

Aus diesem Grund bietet Dr. Margit Gratz, Referentin Spiritual Care, Ethik und Hospitalität, zu diesem Thema kostenlose Online-Schnupperstunden, einen Kurs zu Grundlagen und Vertiefung von Spiritual Care sowie eine Spiritual Existential Care Interprofessionell-Weiterbildung an. Denn für sie wie den Orden ist klar: Spiritual Care mag für manche noch etwas exotisch klingen, ist aber essenziell für die Arbeit mit Menschen in Not.

 

Zwei Äpfel symbolisieren den Spiritual-Care-Spannungsbogen zwischen Exotik und Essenz.

 


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