Mit ihrer ganz eigenen
Sprache bringt Helene
Ziegler Gedanken,
Fragen und Gefühle
auf den Punkt.
Mit ihrer ganz eigenen
Sprache bringt Helene
Ziegler Gedanken,
Fragen und Gefühle
auf den Punkt.
1. října 2026
Wie geht’s dir? Eine Frage, die wir oft stellen, noch öfter gestellt bekommen und doch in den wenigsten Fällen ehrlich beantworten. Es ist gar nicht so leicht, eine Antwort darauf zu finden – und diese dann noch mit einem Gegenüber zu teilen? Schwierig.
Den wenigsten fällt es leicht, ihre Gefühle in Worte zu fassen. Genau das möchte ich mit Gedichten versuchen: Worte finden für Erfahrungen, für die Worte fehlen. Menschen berühren und ihnen mit Poesie einen Moment der Auszeit schenken. Ein Aufatmen im eigenen Gefühlschaos. Freude teilen wir gern. Leid dagegen lässt uns oft fragen: Bin ich allein damit? Geht es nur mir so?
Hier kommt die Kunst ins Spiel: Wie der Resonanzkörper bei Instrumenten eröffnet Kunst einen Raum, in dem Fühlen und Mitfühlen möglich wird. Ohne Resonanzkörper – etwa bei einer Gitarre – sind Töne nur ganz leise, kaum hörbar. Sie können sich nicht wirklich entfalten. Erst der Hohlraum bringt den Ton zum Klingen. Größe, Holz, Form ... geben zwar dem Klang eine gewisse Farbe, dennoch entsteht er letztlich durch einen leeren Raum. Ein Raum, der bis obenhin vollgefüllt wäre, kann diese Funktion nicht leisten. Es braucht das Offene, um Gefühle zum Klingen zu bringen.
Kunst – in meinem Fall Gedichte – versucht, eine Form zu geben, eine Farbe vorzulegen, aber noch kein fertiges Bild zu erschaffen. Menschen, die auf das Kunstwerk treffen, können ihre eigenen Emotionen in diesen Resonanzkörper hineinlegen, darin mitklingen, mitfühlen und sind damit nicht mehr allein mit ihren Gefühlen. Was zuvor stumm war, wird hörbar und oft ein wenig leichter zu tragen.
Mit dem Gedicht „Gewitterwoikn“ will ich versuchen, einen solchen Raum für die Leserinnen und Leser zu eröffnen:
GEWITTERWOIKN
Gewitterwoikn ziagn auf
aus dem Nichts
verfinstern ois
wos do is
Da Himme alloa reicht für se nimma aus
se breiten si aus
legen si drüber
über – de Wöt
nehmen ois ei,
wos si nid irgendwo festhoit.
Gewitterwoikn ziagn auf
oba nid aus dem Nichts
se wean gespeist und getränkt
von oi dem
wos Wossa is
von oi dem
wos über Jahre vor sich hin verdunstet is
Se sommen si
bauen si auf
werden größer und größer
steigen auf
werden dunkler und dunkler
und:
regnen si aus.
Nid glei verzogen, verblosen vom Wind
durch Regen verschwindt
jede Woikn komplett
Helene Ziegler (geb. 2000) ist Sprachkünstlerin aus dem Pinzgau (Salzburg). Sie begann mit 14 Jahren zu schreiben und ihre Texte auf Bühnen vorzutragen. Von Beginn an schreibt sie in einem „Mischmasch“ aus Hochdeutsch und Pinzgauer Mundart über alles, was sie und andere berührt. Sie studierte katholische Theologie in Wien. Auch Gott ist immer mal wieder Thema in ihren Gedichten.